Werte statt Schulden
Warum lokale Währungen und Privatkredite durch die Finanzkrise an Bedeutung gewinnen werden
Über die folgende Aussage
sind sich wohl alle Experten dieser Welt einig: Diese Finanzkrise
wird die Wirtschaft wie sie heute funktioniert verändern.
Denn für viele Unternehmen ist es schwierig geworden, ohne
die Kredite der Banken zu funktionieren. Die Expansion von
Unternehmen wird erschwert. Die zukünftige Wirtschaft wird
mit etwas Glück nicht mehr so stark von den Banken dominiert
sein und den Krediten, die sie an die Konzerne ausleihen. Es wird
mehr um die Werte gehen, die jeder schafft und nicht um die Gier
weniger.
Im alten Ägypten und auch im mittelalterlichen Europa haben
Menschen mit lokalen Währungen gelebt. Sie brachten ihr
Getreide in ein Getreidelager und bekamen Gutscheine je nach
abgelieferter Menge. Für diese Gutscheine konnten sie sich
Waren und Dienstleistungen kaufen. Diese Systeme haben
ausgesprochenen Wohlstand in diese Gemeinden gebracht, so dass
die Menschen so groß waren wie in den letzten paar
Jahrzehnten. Handwerker haben besser verdient und weniger
gearbeitet. Es wurde mehr in Werte investiert. Anstatt Gutscheine
bzw. Geld zu sparen, wurden Mühlen modernisiert und in
Bewässerungssysteme investiert. Denn die Gutscheine verloren
jedes Jahr an Wert, da die Lagerung des Getreides bezahlt werden
musste. Wenn Sie wüssten, dass ihr Geld bald weniger Wert
sein wird, würden sie es auch in Werte investieren. Das
beschleunigt den Geldumlauf und schafft Arbeit. Preisverfall im herkömmlichen
Sinn gab es nicht, da ja das Getreide als Gegenwert fungierte, wie früher Gold den
Dollar stabilisiert hat.
Als Monarchen lokale Währungen für illegal
erklärten, konnten sie die Bevölkerung zwingen ihre
Währung zu nutzen. Das war der Beginn als Geld nicht mehr
als Wert in die Welt gesetzt wurde, sondern in die Welt geliehen
wurde. In den darauffolgenden Jahrhunderten wuchsen die
Geldgeschäfte schneller als das wahre Unternehmertum.
Zugespitzt hat sich dies bis zur heutigen Finanzkrise.
Zentralbanken erschaffen Geld und leihen dieses an Bankinstitute,
diese wiederum geben Kredite weiter an andere Banken bis zum
Schluss ein Unternehmen etwas sinnvolles damit machen kann.
Menschen trauen diesen riesigen Systemen von internationalen
Multi-Konzernen und Riesenbanken aus gutem Grund nicht mehr. Sie
beginnen ihrer Umgebung um sich und ihren Erfahrungen weit mehr
zu trauen.
Deshalb sind lokale Währungen keine Hirngespinste aus dem
Mittelalter oder Altertum. Nein, lokale Währungen gibt es
und sie werden durch die Finanzkrise neben dem Euro und Dollar an Bedeutung gewinnen. Nicht
unlängst berichtete die New York Post über John Halko
("He takes in dough and pays in bread"), den Betreiber eines
Bio-Restaurants in einer kleinen US-Amerikanischen Stadt. Er
wollte ein zweites, größeres Restaurant aufmachen, da
seine vielen Kunden nicht mehr in seinem Restaurant Platz fanden.
Aber zwei Banken haben ihm keine Kredite gewährt. Aufgrund
der Finanzkrise waren den Sachbearbeitern die Hände
gebunden, obwohl sie den Restaurantbesitzer gut kannten. Die
Regeln machen die international agierenden Banken, und für
die hatte John Halko kein Kredit. Deshalb erfand er den Comfort
Dollar. Jeden seiner Kunden bot er die Möglichkeit an, diese
Comfort Dollar zu kaufen. Als Gegenleistung konnte der Kunde 20%
mehr in seinem Restaurant verzehren. Wenn also der Kunde 100
US-Dollar investiert hat, kann er Speisen und Getränke im
Wert von 120 Dollar konsumieren. In so einem System entsteht eine
Win-Win-Situation. Die Kunden haben ein Ertrag von 20% ihres
eingesetzten Kapitals. John kann sein Restaurant eröffnen,
und das günstiger als es eine Bank finanziert
hätte.
Auch das Internet hilft dieser Entwicklung voran. Ein weiteres
Prinzip der direkten Wertschaffung gibt es zum Beispiel bei
Smava, wo Privatleute anderen Privatleuten Geld leihen (
smava.de - Kredite von Mensch zu Mensch
). Auch bei
Kiva leihen Privatleute Menschen in Entwicklungsländern
Geld, um Werte zu schaffen. Vor kurzen habe ich Anthony aus
Nigeria ein Schweißgerät für seinen Metallbetrieb
mitfinanziert. Zwei Raten und ein gutes Gefühl habe ich
bereits zurückbekommen. Auch regionale Tauschringe gibt es
schon seit Mitte der neunziger Jahre im deutschen Internet. Die
Menschen der Welt rücken durch das Internet zusammen und
nicht nur durch E-Mails.
Wenn wir die Tatsache akzeptieren, dass Banken nicht die einzige
Quelle von Kapital ist, werden wir uns dem Wohlstand für
alle nähern. Unternehmen sind nämlich
hauptsächlich ihren Mitarbeitern, Besitzern sowie Kunden
verpflichtet und nicht der Befriedigung der Finanzinstitute.
Genauso wie die Menschen ihren Mitmenschen verpflichtet sind. Die
Unternehmen und Menschen, welche eine lokale Gemeinde haben und
diese unterstützen, werden auch von dieser getragen werden.
Wir werden in Zukunft auf diese Weise Werte schaffen müssen und keine
Schulden.
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